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Avi Avital und die Mandoline

„Ich habe nicht nach ihr gesucht – die Mandoline hat mich gefunden!“, sagt Avi Avital. Heute ist der 44-jährige der gefragteste Mandolinist unserer Zeit, er hat das Instrument fast im Alleingang wieder in die großen Konzertsäle geholt. Über 100 Kompositionen wurden für ihn geschrieben, er ist der erste Mandolinist, der für einen Klassik-Grammy nominiert wurde, zwei Mal bekam er den „Echo Klassik“.

Avi Avital will mit der Mandoline Neues schaffen: das alte Repertoire in neuem Klang präsentieren und das Repertoire durch Adaptionen anderer Werke erweitern. In der Barockzeit war die Mandoline unverzichtbar, aber in den Epochen von Klassik und Romantik wurde sie fast vergessen. Aber gerade die Außenseiterposition seines Instruments, die Avi Avital während seines Studiums immer stärker bewusst wurde, fordert ihn heraus.

Seine Eltern waren aus Marokko ausgewandert, in die israelische Arbeiterstadt Be’er Scheva. Man hörte nordafrikanische Folklore, französische Chansons und die Beatles. Nachbarskinder, die in einem Jugend-Mandolinenorchester spielten, brachten die Eltern darauf, den achtjährigen Avi dort vorzustellen. Sein erster Lehrer war ein aus Russland stammender Geiger, der als Violinprofessor keine Stelle fand, aber die Herausforderung annahm, am Konservatorium von Be’er Scheva Mandoline zu unterrichten. „Für eine Klassikkarriere hatte ich die falsche Familie, das falsche Instrument und sogar den falschen Lehrer“, sagt Avi Avital. Und er spielt bis heute mit der falschen Technik, hält das Plektrum nicht schulmäßig. Aber genau damit gelingt es ihm, größte Klangvielfalt und Dynamik zu erzeugen.

Im Zentrum des ARTE-Konzertporträts „Avi Avital und die Mandoline“ steht Avitals Transkription des  Bach-Cembalokonzerts BWV 1052, gespielt im prächtigen Haydn-Saal des Schlosses Esterházy in Eisenstadt zusammen mit dem Ensemble Il Giardino Armonico unter Leitung von Giovanni Antonini. Antonini scherzt mit Avital über sein „Spielzeuginstrument“, die Blockflöte – und beide zeigen im Duett einer Klavierkonzert-Transkription, was auf den Instrumenten möglich ist. Die Dokumentation begleitet Avital auf eine Reise nach Israel. Er musiziert gemeinsam mit Schülern des Konservatoriums von Be’er Scheva, trifft in Tel Aviv seinen Mandolinenbauer und lässt in einer Kneipe mit dem Akkordeonisten Uri Sharlin eine feurige Eigenkomposition hören.

Buch & Regie: Katja Deiß
Kamera: Elad Asulin, Oliver Indra, Markus Schmidt
Ton: Jeannine Felzmann, Simon Hückstädt, Idan Shemesh
Schnitt: Nina Mühlenkamp

Eine Produktion der 3B-Produktion, im Auftrag des HR, in Zusammenarbeit mit ARTE