NDR/Arte

Das Leben eines Kunstwerks

Ein Film über das faszinierende Leben eines Kunstwerks aus der Perspektive des Restaurators Christian Scheidemann, auch genannt: The Art Doctor.

Wer sich um die Haltbarkeit seines signierten Schneeballs, seiner Skulptur aus Kaviar oder der extrem delikaten Oberfläche seines Gemäldes aus getrocknetem Gemüse sorgt, landet automatisch in dem New Yorker Studio „Contemporary Conservation“ des „Art Doctors“ Christian Scheidemann – ganz gleich ob Europäer, Amerikaner oder Asiate, ob Sammler, Künstler, Kurator oder Galerist. Scheidemann ist der Mann der Stunde für das Konservieren zeitgenössischer Kunst. Er berät und arbeitet zusammen mit Künstlern, die mit ungewöhnlichen Materialien arbeiten. Er repariert beschädigte Kunst, hält Alterungsprozesse an, verlangsamt sie oder schlägt vor, nicht einzugreifen. Weltweit führend in den Diskussionen um die Authentizität und Integrität zeitgenössischer Kunst ist sein Credo: „Das Kunstwerk hat immer recht.“

Kunstwerke der namhaftesten Künstler stehen in Scheidemanns Studio Schlange wie Patienten im Wartezimmer eines Arztes, verletzlich und demokratisiert, warten sie auf ihre Behandlung – heute sind es Arbeiten von Warhol und Beuys, morgen von Paul McCarthy und Robert Gober. So führt uns der Film in die faszinierende Materialwelt der zeitgenössischen Kunst ein, in der mit seltenen Schmetterlingen, verwesender Schokolade oder spektakulären Betonkonstruktionen gearbeitet wird.

Ausgehend von der konkreten Restaurierungsarbeit geht der Film gemeinsam mit Christian Scheidemann der Frage nach, wo Kunst beginnt und wo sie wieder aufhört. Wir erleben gemeinsam mit ihm, wie er Künstler im Entstehungsprozess ihrer Werke berät. Wir erleben aber auch den Moment, in dem Kunst als unrettbar verloren erklärt wird. Durch Christian Scheidemann sind wir so in den sensibelsten Momenten im „Leben“ eines Kunstwerks dabei.

Über die konkrete Arbeit an den Kunstwerken erzeugt der Film eine ungewöhnliche Nähe zu den sensiblen Werken und stellt gleichzeitig die entscheidenden Fragen in unserem Verständnis von Kunst: Warum wird eine kränkelnde griechische Skulptur im Forum Romanum ausgestellt, während ein Gerhard Richter Bild mit einem Riss von der Versicherung zum Totalschaden erklärt wird? Das Werk wird ins Kunst-Jenseits befördert. Aber wie kann aus Kunst Nicht-Kunst werden? Hat die Kunst im 21. Jahrhundert ihren Ewigkeitsanspruch aufgegeben? Was bedeutet das für die Zukunft der Kunst und der Künstler?

Kulturdokumentation, D 2018, 52 Min.

Buch und Regie: Marion Kollbach
Kamera: Chris Valentien
Schnitt: Anne Kliem
Redaktion: Monika Schäfer
Produktionsleitung: Maximilian Reich
Produzenten: Bernhard v. Hülsen, Maria Willer